Die Lage der ambulanten Psychotherapie
Die ambulante Psychotherapie wird gerade umgebaut — leiser, als es die Tragweite verlangt. Auf dieser Seite bündele ich meine Analysen dazu: was beschlossen wurde, was es Praxen und Patient:innen kostet, und welche Rhetorik den Umbau begleitet. Mit Zahlen, Primärquellen und psychoanalytischem Blick.
Die Strecke — in dieser Reihenfolge lesen
1Möchtest du in dieser Gesellschaft psychisch krank werden? Was die Gesundheitspolitik gerade abbaut — und warum es uns alle betrifft.
Warum es alle betrifft — nicht nur die Profession
Möchtest du psychisch krank werden in einer Gesellschaft, die deine wirksamste Behandlung abbaut? Was die Gesundheitspolitik gerade demontiert, betrifft uns alle — und kommt nicht zurück.
2Honorarkürzung für Psychotherapeut:innen: Eine Chronik des Versagens
Wie es zur Honorarkürzung kam
3Der Angriff auf die psychotherapeutische Versorgung. Warum die Honorarkürzung 2026 nur der Anfang war
Der Strukturumbau hinter der Schlagzeile
4Die BStabG-Bilanz — Was die Maßnahmen die Durchschnittspraxis kosten
Was die Maßnahmen die Durchschnittspraxis kosten
5Psychotherapie-Ausbildung in Gefahr: Eine Systemanalyse der Verschlimmbesserung (Stand Oktober 2025)
Wie die Reform die Ausbildung blockiert — und damit die künftige Versorgung
Der Verlauf — was geschah, was ansteht
- 21. Januar 2026GKV-Spitzenverband beantragt Überprüfung der Vergütung
Der formale Antrag im Bewertungsausschuss zielt auf Kürzung — ein KV-internes Schreiben nennt zehn Prozent, das DPNW macht die Pläne öffentlich.
- 11. März 2026EBA beschließt: minus 4,5 Prozent
Der Erweiterte Bewertungsausschuss kürzt die Honorare für psychotherapeutische Gesprächsleistungen.
- Ab März 2026Der Protest beginnt auf der Straße
Erste Demonstrationen in vielen Städten — daraus wächst das Aktionsbündnis Psychotherapie.
- Frühjahr 2026Petitionen sammeln Hunderttausende
Bundestagspetition 196912: über 145.000 Unterschriften. Change.org: über 590.000 (Stand Juni, laut Aktionsbündnis).
- Mai 2026Die Profession antwortet geschlossen
Keine Grabenkämpfe: Psychoanalyse und Verhaltenstherapie, Studierende, Kolleg:innen in Aus- und Weiterbildung und Approbierte stehen zusammen — Resolutionen des Psychotherapeutentags, 9-Punkte-Erklärung von BPtK und sieben Verbänden gegen das GKV-BStabG.
- Mai 2026KBV klagt gegen den Beschluss Klage läuft
Klage beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, gekoppelt mit Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz.
- 20. Mai 2026Öffentliche Anhörung im Bundestag
Sachverständige sezieren die GKV-Argumentation zum BStabG.
- 28. Mai 2026Bundesrats-Ausschuss votiert einstimmig dagegen
Der Gesundheitsausschuss fordert die vollständige Rücknahme der Re-Budgetierung.
- 8. Juni 2026Petition öffentlich im Bundestag verhandelt
Nach Überschreiten des Quorums wird die Petition im Petitionsausschuss angehört.
- 12. Juni 2026Bundestag: erste Lesung des BStabG
In 60 Minuten Aussprache nennt die Koalition die Psychotherapie kein einziges Mal — nur die Opposition spricht sie an.
- 12. Juni 2026Bundesrat: erster Durchgang
Die Länderkammer nimmt Stellung zum Entwurf — ihr Gesundheitsausschuss hatte einstimmig die Rücknahme der Kürzungen empfohlen.
- 13. Juni 2026Bundesweiter Protesttag 3.0
Geplant: 14 Demonstrationen bundesweit unter #psychotherapieretten. Bei den bisherigen Protesten waren laut Aktionsbündnis schon rund 38.000 Menschen auf der Straße.
- 26. Juni 2026Bundestag: zweite und dritte Lesung — Schlussabstimmung
Das Druckfenster: 14 Tage zwischen erster Lesung und Beschluss.
- Nach dem 26. JuniBundesrat: zweiter Durchgang
Beschließt der Bundestag das Gesetz, muss es erneut die Länderkammer passieren.
- Termin offenLSG entscheidet über den Eilantrag der KBV Klage läuft
Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg prüft den Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz gegen die Kürzung.
- Ab 2027Es droht: Re-Budgetierung und Mengen-Deckel droht
Das BStabG sieht die Rückkehr in die budgetierte Gesamtvergütung und eine Deckelung an der 18-Wochenstunden-Modellgröße vor — noch ist das Gesetz nicht verabschiedet.
- 2027Es droht: HVM-Anpassung KV Bayern droht
Die Verteilungsregeln werden neu verhandelt.
Weitere Analysen
Der Widerstand — Sie sind nicht allein
Gegen die Kürzungen ist eine breite Bewegung entstanden: Das Aktionsbündnis Psychotherapie stellt Materialien und Vorlagen für Praxen bereit, das DPNW hat die Pläne früh öffentlich gemacht, die BPtK und sieben Verbände tragen eine gemeinsame Erklärung, die KBV klagt — und unzählige Kolleg:innen sind gerade laut, in den Praxen, auf der Straße und unter #psychotherapieretten.
Und als Patient:in? Es geht hier nicht um Honorare allein, sondern um Therapieplätze und Wartezeiten — um die Frage, ob psychische Erkrankungen künftig noch zeitnah behandelt werden. Der Bundesrats-Ausschuss hat einstimmig gegen die Kürzungen votiert, fast 600.000 Menschen haben auf Change.org unterschrieben, über 145.000 die Bundestagspetition, rund 38.000 waren demonstrieren: Druck wirkt. Dieser Kampf lohnt sich — für die Versorgung.
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